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Mittwoch, 6. November 2013

MMM: 2 in 1 Blazer- Zip it

Hui.
Heute geht's mal richtig zur Sache. Gefühlte 65 Milliarden Fotos (ich glaube, ich übertreibe nicht. Nein, auf keinen Fall...).
Ich hoffe, sowohl Nähneulinge als auch die (semi)professionellen Schneiderinnen können heute etwas an Wissen gewinnen/teilen.
Zara Blazer via company.co.uk
Bei Zara und Mango gab es in letzter Zeit immer mal Jacken, die auf Taillenhöhe mit einem Reißverschluss verkürzt werden konnten.
Die Idee fand ich ganz nett, da man ab und an mal eine Art Bolero gebrauchen kann, aber die meisten Boleros so gar nicht elegant oder interessant wirken.
Da ich im Frühjahr mal bei einem Impulskauf (lies: Superschnäppchen) mintfarbenen, dünnen Bouclé erstanden hatte, entschied ich mich, mal einen Blazer zu nähen.
Achtung: Marie entdeckt Neuland. (Kennt ihr das Merkel-Meme? Finde ich immer wieder amüsant.)
Vlieseline, Futter und dann noch der Reißverschluss in der Mitte.
Panik...
Challenge accepted.
Wenn auch verzögert… Im März hatte ich die Teile zugeschnitten und begonnen, den Westenteil zu nähen. Dann kam der warme Sommer mit dem Analytikpraktikum und ich hatte weder Zeit noch Muse weiter zu nähen. (Hängt ein halbfertiges Kleidungsstück einmal mehr als 2 Wochen über der Puppi, kann ich mich nur schwer aufraffen, es zu beenden, bin ich da allein?)
Mittendrin befand mein geliebter Mitbewohner, die Schnittmuster aus Zeitungspapier würden nicht mehr gebraucht und entsorgte sie deshalb.
Blöd nur, dass ich das Futter und den unteren Beleg noch nicht zugeschnitten hatte. (ganz zu schweigen von den anderen Musterteilen, die ich wieder abpausen muss bzw. die verloren sind -.-). Deshalb sank meine Motivation weiter, bis ich mir im September gen Ende der glorreichen Semesterferien dachte "jetzt oder nie".
Es war sicherlich nicht schlecht, dass ich kurz zuvor einen Mantel geändert hatte und deshalb nun wusste, wie das Innenleben so auszusehen hat.
Ich bin keine gelernte Schneiderin und nehme gerne Abkürzungen. Deshalb bitte nicht wundern, wenn ich nicht alles vorher hefte und manche Schritte anders gestalte. Vorschläge für Verbesserungen nehme ich trotzdem gern an.
Aufgrund der großen Lücke zwischendrin kann ich wieder nur schätzen, dass dieser Blazer ca 4 h Nähzeit bedarf. (Ist das zu optimistisch, pessimistisch?)
In der Anleitung erkläre ich, wie ich mein Schnittmuster erstellt habe. Dafür habe ich mich am Burda Modell 108 02/2010 orientiert. Man kann aber irgendein Jacken-Schnittmuster nehmen. Oder auch gänzlich improvisieren, dann aber am besten mit einem Probestück.

Ich könnte mir auch vorstellen, einen bereits bestehenden Blazer mit dieser Methode erneuern zu können. (Weiß jemand, wie ich mehrere Jumplinks einbauen kann?)



Man braucht:

Blazer Schnittmuster Z. Bsp. Burda Modell 108 02/2010
evtl. Blazer zum ausprobieren
Zeitung/Schnittmusterpapier, Stift
Stoff (ich habe ca 1,5 m gebraucht)
Futterstoff (1 m sollte locker reichen für kleine Größen)
Vlieseline, Bügeleisen
Reißverschluss in passender Länge (mehr als Taillenumfang z. Bsp. 80 cm)
Nähmaschine, Garn, passende Nadeln
evtl Reißverschlussfuß
Nadel für Handnähte
evtl Seitenschneider

Erstellen des Schnittmusters:


Durch Anprobieren und Abstecken eines vorhandenen Blazers habe ich den Verlauf der schrägen Kanten vorn gut ausloten können.
So sah mein übertragenes Schnittmuster Vorderteil aus. Der Besatz ist direkt an der vorderen Mitte angeschlossen und so hätte der Stoff umgeklappt werden müssen, hätte ich keine Änderungen vorgenommen.
Hier ist der Besatz vom Schnittmuster umgeklappt, so wie es beim fertigen Blazer hätte sein sollen. Die Striche zeigen die Faltlinien an, die ich durch Rumprobieren mit einem vorhandenen Blazer erhalten hatte.
Durch Umfalten erhielt ich dann mein Schnittmuster. Da ich unten ein wenig mehr Länge brauchte und nicht mit 5-fach gefaltetem Papier arbeiten wollte, habe ich das fertige Schnittmusterteil schnell noch einmal übertragen.
Beim Schnittmusterentwickeln sollte auch darauf geachtet werden, dass der Reißverschluss später gut längentechnisch passt.

Zuschneiden:


Der vordere Besatz (rechts unten) hätte nicht vollständig zum "Saum" hin verlängert werden müssen, da ich später den gesamten Teil unterhalb des Reißverschlusses als Besatz zugeschnitten und vernäht habe. (Aber das war noch im März)
So schneide ich übrigens zu. Mit der Nahtzugabe, die sich ergibt, wenn man den Stoffrand später bündig mit dem Nähfuß führt. (Eigentlich sollte man mehr zuschneiden und später wieder zurückschneiden, oder? Ist mir aber zu viel Arbeit und Stoffverschwendung.)
Zuschnitt der Vlieseline. Die anderen Teile laut Schnittmuster ebenfalls aus Vlieseline zuschneiden.
Alle Teile (bis auf Futterteile) auf einem Blick.
 Vlieseline laut Anweisung mit dem Bügeleisen andrücken.
Meine verstärkten Teile.

Nähen:


 Abnäher mit geradem Stich nähen.
Zwischendurch immer mal bügeln.
Restliche Teile mit geradem Stich nähen.
Schultern nähen.
So sah die "Weste" aus, ich hatte kein Probeteil genäht und musste die Schultern ein wenig verkleinern. Irgendwie sind Burdaschnitte meistens etwas breiter, habe ich das Gefühl.
Ärmel nähen.
Ärmel heften und feststecken. Mit geradem Stich nähen.

Futter und abnehmbaren Teil nähen

Jetzt sollte die Jacke schon halbwegs fertig aussehen (wäre da nicht dieses angsteinflößende Futter).
Für den unteren Beleg habe ich die zusammengenähte Jacke erneut auf Zeitungspapier übertragen.
Dabei habe ich nicht alle Einzelteile übernommen, sondern nur die Seitennähte und die rückwärtige Mittelnaht verwendet.
Um für hinten einen optimalen Verlauf zu erhalten, den Blazer anziehen und mit Stecknadeln die spätere Trennhöhe für den Reißverschluss markieren.
Den Beleg rechts auf rechts an die Jacke nähen. Kanten versäubern, Ecken einschneiden.
An dieser Stelle hielt ich es wirklich mal für sinnvoll, mit langen Maschinenstichen zu heften.
So bleiben die Nähte halbwegs aufeinander und man kann gut erkennen, ob der abnehmbare Teil symmetrisch wird.
Die Außenseiten aufeinander legen und mit Stecknadeln fixieren. Ich habe die Stecknadeln direkt auf die Heftnaht gesetzt und so gesehen, dass mein unterer Beleg symmetrisch war.
Dann einfach schneiden. (auch wenn man großen Respekt davor hat und sich eigentlich gar nicht traut)
Halleluja, zwei symmetrische Teile.
Kurz mal ausprobieren, wie weit man die Schnittkanten umfalten muss, um einen netten Kuckuck-Reißverschluss-Effekt zu erzielen. (Ich glaube ich hatte mich für 1 cm entschieden)
Den Reißverschluss teilen und die Seite ohne Schieber an den Boleroteil rechts auf rechts heften. Dabei nicht ganz so nah an der Spirale nähen.
Nicht von dem Reißverschlussüberstand verwirren lassen. Anfang und Ende der Spirale sollten in etwa den gleichen Abstand zur offenen Front haben.
Weiter geht's mit dem "Unterteil". Die obere Heftnaht entfernen.
Den Reißverschluss schließen und mit Stecknadeln das Unterteil am Reißverschluss feststecken (rechts auf rechts, sodass man die Stecknadeln nicht sieht, wenn der Blazer so da liegt). Dabei auf die Nähte achten.
Reißverschluss öffnen. Mit Heftstichen nah am Rand den Reißverschluss fixieren. Dabei die Schieber zur Seite ziehen, wenn der Nähfuß in der Nähe ist. (Wie man sieht, habe ich die unteren Heftstiche auf der Außenseite noch nicht gelöst)
Den Belegteil ebenfalls anheften. Dabei die Schieber an einer unauffälligen Stelle "parken" und eine kleine Öffnung zum Wenden ungenäht lassen. Auf dem Bild sieht man noch den "weggeknickten" Reißverschlussüberstand rechts. Aufgrund der Dicke habe ich ihn später einfach zurückgeschnitten.
Nach dem Wenden den Reißverschluss etwas tiefer in das Unterteil schieben, sodass mehr Stoff Richtung Spirale übrig ist, um darüber zu steppen.
Je nach Stecknadelplatzierung und Stoff kann es einfacher sein, wenn man sich die Richtung merkt, in die man gesteppt hat. Zu erst hatte ich Boleroteil und Unterteil in gegenläufige Richtungen gesteppt. Dadurch hat sich der Stoff jeweils 1-2 mm verschoben. In Summe war das genug, um durch verschobene Nähte aufzufallen.
An dieser Stelle können die Heftnähte am Unterteil entfernt werden.
Da meine Schnittmuster vom Blazer abhanden gekommen waren, habe ich für das Futter einfach improvisiert. Zunächst habe ich eine leicht vergrößerte Version von der Bolerojacke in Futterstoff genäht.
Die Belege von vorn und vom Halsausschnitt habe ich entlang der Schulternaht zusammengenäht.
Anschließend die Belege an die Futterjacke stecken.
Den Überschuss an Futterstoff zurückschneiden.
 Rechts auf rechts stecken.
Und mit geradem Stich nähen. Dabei an der gefürchteten Ecke super schmal entlang nähen.
Huzzah, war gar nicht SO schlimm. (bügeln kann helfen)
Nun die Futterjacke rechts auf rechts an die Bolerojacke stecken und entlang der Belege nähen.
Wenden, Ecken rauskiegeln, bügeln.
Futtersaum nach innen umschlagen und feststeppen. (In gleicher Richtung wie beim Unterteil;
wer mega korrekt sein möchte, steppt den Oberstoff und näht den Futterstoff von Hand.)
Nur noch den Futterärmel von Hand mit Blindstichen annähen.
Meine Reißverschlussschieber waren nicht identisch. Einer baumelte mehr als der andere, und war auch generell anders geformt. Deshalb habe ich mich einem Seitenschneider die Zippe vorsichtig geöffnet, aufgebogen und entfernt. Eigentlich wollte ich identische Schieber anbringen, aber das muss ja gar nicht sein, ohne finde ich es viel besser.
So kann mich keiner ungewollt ausziehen und nichts baumelt/steht quer.

Wenn ich das Unterteil entfernen will, nehme ich einfach eine Sicherheitsnadel.
Erst beim Fotografieren ist mir aufgefallen, dass ich unbedingt noch Haken und Öse am Boleroteil anbringen sollte.
Das werde ich demnächst mal nachholen.

Fragen an das Nähvolk:

Außerdem habe ich bemerkt, dass die Front beim Schulter-Brust-Übergang so wegsackt. Habt ihr dafür eine Erklärung oder einen Verbesserungsvorschlag? Ich habe keine Schulterpolster vernäht, wohl aber probiert, ob diese das Problem lösen würden. Tun sie aber leider nicht. Habe ich die Armkugel nicht genug verkleinert? Ich hatte ja die Schultern ein wenig verschmälert.

Ich freu mich über Anregungen und auch über Fragen, sollte etwas nicht ganz verständlich sein.
Heute beim Me Made Mittwoch :)

Kommentare:

  1. Liebe Marie,
    danke für deine ausführliche Beschreibung der Herstellung. Wunderbar! Auch die Jacke ist dir toll gelungen.
    Einen schönen Tag Mema

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  2. Mhmmmm superschick! Genau mein Ding!
    Und die Farbe ist der Hammer! :)

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  3. Wow. Du bist wirklich kreativ. Und die Sachen stehen dir fantastisch. Ich bin beeindruckt und lese deinen Blog total gerne.

    Zu deiner Frage kann ich dir leider nicht weiterhelfen.
    Viele Grüße

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  4. Groovy Clothes by Vanessa6. November 2013 um 11:08

    WOW! Also besonders deine letzten Bilder sehen aus, wie direkt von der Zara-Homepage entstiegen :-) Und bei dem Model hätte ich den Blazer auch sofort gekauft :-D Superschön geworden!!! Und deine bebilderte Anleitung ist klasse! Vielen Dank dafür!
    Das Problem mit der Armkugel sehe ich so gar nicht! Einzig auf dem vorletzten Bild, wo du im Profil stehst, sehen die Schultern leicht abgefallen aus, wobei du ja auch nicht wirklich viel drunter trägst... Mit einer Bluse könnte das schon ganz anders wirken! Von vorn und hinten finde ich die Schulterpartie stimmig.
    Mir gefällt dein Outfit supergut!!! Herzliche Grüße von Vanessa

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  5. Superschön!
    Vielen Dank für die ausführliche Beschreibung. Ich bekomme Lust,mir auch so eine Jacke zu nähen.
    Liebe Grüße von Susan
    www.naehfreundin.blogspot.de

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  6. Deine zwei-in-eins-Jacke ist super und dein ausführliches Tutorial ist klasse.
    LG Susanne

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  7. Du kannst echt stolz auf dich sein :)
    LG, Sandrina

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  8. Danke :) Ich hatte wirklich großen Respekt vorm Innenfutter. Hinterher war ich dann so stolz und adrenalingefüllt, dass ich fast eine weitere Jacke begonnen hätte. :P

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  9. Hallo Vanessa,
    Vielen lieben Dank :)
    Beim letzten Bild vor der "Man braucht"-Liste sieht man die eingefallene Partie ganz gut. Bei den meisten Bildern habe ich ja den vorderen Teil mit den Händen so nach vorn gezogen, um das Problem ein wenig zu kaschieren…
    Vielleicht hätte ich stärkere Vlieseline verwenden sollen?
    Liebe Grüße zurück :)

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  10. Wow, das ist ja ein ein Knaller! Sag mal, bist Du beruflich in der Schneiderei drin? Das sieht ja schon richtig professionell aus! :)

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  11. Elke / www.elkeundmatthias.de7. November 2013 um 21:48

    Großes Wow... das ist mal eine raffinierte Idee.
    Sehr cool umgesetzt. Und dann gleich noch so eine ausführliche Bild-Doku.
    Respekt. Viele Grüße
    Elke

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  12. Wow, wirklich schön geworden. Ich glaube nicht, dass ich den Mumm gehabt hätte, den fertigen Blazer einfach durchzuschneiden^^
    Bei deinem Problem mit dem Vorderteil kann ich dir leider auch nicht helfen. Dickere Vlieseline würde das ja nur steifer machen, aber so wie die Falte da vorne fällt wurde ich vermuten, dass sich der Knick auch bilden würde, lediglich dann noch härter.
    Ich würde vermuten, dass das durch den Fall des Vorderteils kommt. Weil es ist ja weg, wenn du es zuhältst. Also kannst du es vielleicht schon mit den schon erwähnten Haken und Augen lösen? Sonst, um die Falte bei geöffnetem Blazer zu vermeiden, müsste wohl der ganze Schnitt anders aufgebaut sein, also dass der Winkel einfach anders ist im Verhältnis zum Ärmel bzw. Seitenteil. Aber da versteh ich zu wenig von Schnittkonstruktion, um dir da konkrete Tipps geben zu können.

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  13. Da hast du ein wirklich geniales Einzelstück zustande gebracht. Und vielen Dank für die detaillierte Anleitung. Gelesen hab ich sie schon ganz wissbegierig, zutrauen tu ich mir das aber noch lange nicht... aber man kann ja träumen :-)
    LG, Nicole

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  14. Schicke Jacke! Ein dickes Kompliment dafür und ein Dankeschön für die aussagekräftige Dokumentation zur Anleitung.
    Viel Spaß an dieser extravaganten Jacke!

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  15. Wow, der ist supertoll geworden und steht dir ganz ausgezeichnet! Auf den kannst du wirklich stolz sein! Und ja, es wird immer schwieriger etwas fertigzustellen, je länger es hängt ;)

    Liebe Grüße
    Julia

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  16. Hallo,
    ich bin Schneiderin und gelernt habe hier nix.... in gegenteil.
    Montagsgruß aus der Nähstube.

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Am "Frag Mich Freitag" beantworte ich auch theoretische Fragen zur Schnittgestaltung oder Problemen.

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