Rock mit Falten

08:00 Marie 6 Comments

Ich trage ganz gerne Röcke. Da im Labor eigentlich lange Hosen Vorschrift sind, habe ich nicht immer Gelegenheit im Röckchen durch die Uni zu tingeln. Ist ein Tag laborfrei, wird der meist sofort zum inoffiziellen Rocktag ausgerufen.

Wer mich kennt, weiß, dass dunkeldunkeldunkelblau gerade genau mein Ding ist. Also warum nicht noch ein Rock in Dark Navy?


Inspiriert zu den Falten wurde ich durch dieses Kleid:

Foto via Jelanie von Singe Vilsrup, styled by Mie Juel für ELLE Denmark



Man braucht:



Stoff (je nach gewünschter Länge von Taille bis Mitte Oberschenkel z. Bsp. 0,5 x 1,5 m)

Kontrastierendes/Harmonierendes Band/ Stoff (Taillenumfang +  doppelte Nahtzugabe = Länge; gewünschte, fertige Breite mal 3 = Breite; z. Bsp. fertiger Bund: 68 x 4 cm, Stoffstreifen: 70 x 12 cm)
Reißverschluss (so lang, dass er im eingenähten Zustand gut bis zum Po reicht, z. Bsp. 26 cm)
Nähmaschine, Bügeleisen, Stecknadeln, Schere, Kreide/ Stoffstift

Im Prinzip ist dieser Rock bloß ein Rechteck, dass an der Taille in Falten gelegt wurde. Ich persönlich hätte ihn mir noch etwas schwingender/ ausgestellter gewünscht, also würde ich das nächste mal doch lieber etwas mehr Stoff kaufen. Zu meinem Glück war aber die Stoffbreite des Stoffballens immerhin 1,5 m und nicht noch weniger... Deshalb haben mir 50 cm "(Rock-)Länge" gereicht.
Mein Bund ist aus dem gleichen Stoff, aus dem meine weichen Stoffanhänger für meinen Weihnachtsbaum gemacht sind. Also konnte ich mich prima als Deko neben meinem Baum drapieren. (Den hatten wir übrigens Jochen getauft. Weihnachtsbäume sollten Namen haben...)

Und nun los:


Zu erst machen wir eine französische Naht, um uns das Versäubern der hinteren Naht zu sparen. Das ist kein Muss, ohne geht der Rock sogar noch einfacher, also eventuell einfach überspringen.

Normalerweise näht man die Stofflappen auf der Seite zusammen, die später nicht zu sehen sein wird (Stoff rechts auf rechts, Naht auf der linken Seite).
Bei dieser verdeckten Naht machen wir das aber andersherum (Stoff links auf links, Naht auf der rechten, hübschen Seite). Die Naht ist hier hellblau, die Stoffkante in lila eingezeichnet. Die kurzen Seiten des Stoffes werden auf einander genäht. (Beim fertigen Rock wird diese Naht hinten in der Mitte sein)


Dann wird der Stoff gewendet, sodass die Nahtzugabe von eben wie ein Sandwich zwischen zwei Stofflagen liegt. Die so eben gesetzte Naht befindet sich an der Kante. Mit größerem Abstand zum Rand als zuvor wird nun erneut mit geradem Stich genäht. (Zur besseren Verbildlichung habe ich die gleichen Farben wie oben verwendet. Die blaue Linie kennzeichnet die erste, gewendete Naht) Natürlich muss man nicht einen derart großen Abstand für diese französische Naht wählen. Man kann auch die Nahtzugabe der ersten Naht schmal abschneiden, sodass man einen ähnlich kleinen Nahtabstand für die zweite Naht wählen kann.

Wir arbeiten gleich mit Trick 17 für den Reißverschluss, wer es sich an dieser Stelle einfacher machen möchte, Obacht! Die Länge des Reißverschluss minus vielleicht 3 cm können mit einem Heftstich (große Nahtlänge) genäht werden.  Man kann auch gleich die erste Naht an der Stelle des Reißverschlusses aussparen. Also den ersten Teil der französischen Naht (hellblaue Markierung) ca. 23 cm kürzer nähen, dann wie gewohnt wenden und den zweiten Teil der frz. Naht nähen, aber den zuvor offen gelassenen Teil mit einem Heftstich vernähen.
Oder man macht einfach eine normale Naht und den Heftstich an der Reißverschlussstelle. Hauptsache der restliche Teil, der nicht von Reißverschluss eingenommen wird, ist mit normaler Stichlänge genäht.


Aber jetzt kümmern wir uns erst einmal um den Saum.
Der wird nach innen auf gewünschte Länge umgebügelt.


Jetzt lüftet sich das Geheimnis des roten Isobands an meiner Nähmaschine. Das sind Abstandsanzeiger. Auf der Nähplatte sind Inch- und Zentimeterangaben eingeprägt. Legt man die Stoffkante an diese Markierung und näht mit der Nadel in der Mitte, so erhält man eine Naht, die auf der gesamten Länge den gleichen Abstand zum Rand hat.
Wenn ich mehr als die eingravierten 2 cm benötige, dann klebe ich mir Isoband oder Malerkrepp an diese Stelle.
Um herauszubekommen, an welche Stelle das Klebeband muss, einfach den Stoff herumdrehen. Die Seite, die beim Nähen nach oben zeigen wird (in meinem Fall die Rockaußenseite) zeigt nun erst einmal nach unten.
Den Stoff dorthin manövrieren, wo ein guter Abstand zur Nadel erreicht werden würde und Markierung setzen.


Dann natürlich mit der rechten Seite nach außen nähen.
Fertigerweise sieht es dann wie oben aus.
Jetzt besitzen wir einen breiten Schlauch, der einen Saum am unteren Ende besitzt.


Nun zum Reißverschluss.
Reißverschlüsse können etwas einschüchtern, aber eigentlich geht das schon irgendwie.
Der Reißverschluss wird auf die hintere (französische) Naht gesetzt. Wir trennen diese hintere Naht nach dem Einnähen des Reißverschlusses wieder auf. Deshalb ist es einfacher, an dieser Stelle einen Heftstich zu wählen, aber auch kein Weltuntergang, sollte man dies vergessen haben.
Die rote Linie hat nichts zu bedeuten, die war einfach am Rand meines Stoffes dran.
Einfach die Spirale des Reißverschlusses so platzieren, dass er genau auf der hinteren Naht liegt. Dann mit Stecknadeln fixieren und umdrehen. Je nach Art des Bundes, muss man den Reißverschluss eventuell etwas höher platzieren.


Man erkennt den Verlauf der Naht, unter der unsere Reißverschlussspirale liegt. An dieser Naht orientieren wir uns abstandstechnisch und nähen den Stoff auf den Reißverschluss mit einer sichtbaren, geraden Naht. (Ein Reißverschlussfuß kann helfen, falls man nah an die Spirale ran möchte.


Unten am Reißverschluss ruhig quer über die Spirale nähen. (Bei Reißverschlüssen sowieso mit Nadel 90 oder 100 nähen)


Nun die (Heft-)Naht entlang des Reißverschlusses auftrennen. Und die kleinen Fädchen rausfriemeln.
So hat man nun einen relativ verdeckten Reißverschluss, der gar nicht mal so schwer war.

Nun zum Faltenlegen. Ich hoffe, es ist halbwegs verständlich... Ich hatte ziemliches Glück, fast sofort die richtige Größe für meine Taille durch das Falten zu erhalten. Man kann es ausrechnen, aber rumprobieren klappt auch.


Unüblicherweise habe ich für die Markierungen mal mein Inch-Maßband verwendet. Ist aber total egal. Meine Markierungen waren bei 3, 5, 7 und 10 Inch/Zoll. Die gestrichelte, lila Linie zeigt an, wo die Knicke liegen werden, sobald man die kleinen Markierungen über einander gelegt hat.


Begonnen wird mit der ersten, äußeren Markierung. (7 Inch auf 5 Inch legen und mit Stecknadel fixieren)


Dann die zweite äußere Markierung direkt über die erste Falte legen. (Ursprünglich 10 Inch auf 5 Inch). Um die erste Falte zu zeigen, habe ich die darüberliegende ein wenig zur Seite gezogen. Zum Nähen, sollten die beiden Falten allerdings direkt übereinander liegen.


Nun die linke Markierung direkt neben die anderen legen, sodass die Falten parallel verlaufen. (Ich habe hier wieder die Falten auseinander gezogen, aber das ist nicht nötig)


Jetzt wird der Bund angenäht. Zuvor sollte dieser zur Hälfte gefaltet gebügelt werden und anschließend auf die gewünschte Breite erneut umgeschlagen werden. Ähnlich der Einfassmethode bei dem Cardigan wird nun einmal rundherum von der linken Seite genäht.


Anschließend wird der Bund auf seine endgültige Form umgeklappt und entlang des Randes schmal abgesteppt um die Rückseite festzunähen.


Dann noch entlang des Reißverschlusses den Bund feststeppen und fertig.
Ja, das geht auch hübscher, aber das sieht doch eh keiner von so nah.

Halbwegs verständlich? Mehr Bilder? Weniger Text? Wenn ja, an welchen Stellen? Sagt Bescheid ;)

Kommentare:

  1. Hallo,
    bin gerade über burda auf deinem Blog gelandet. Ich bin begeistert von deinem Kleid, das du abgewandelt hast. Woher nimmst du den Schnitt für den Tellerrock?Und aus was hast du den Gütel gemacht? Einfach bezaubernd!
    Leider hab ich keine Emailadresse von dir gefunden...
    Mich findest du übrigens unter livingmaison.blogspot.com
    Freu mich per eine Antwort!
    Liebe Gruesse
    Stefanie

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    1. Huhu :)
      Das freut mich wirklich sehr!

      Ein Tellerrock ist bloß ein Kreis. Irgendwann werde ich diese Art Rock auch mal hier beleuchten, aber ich versuche es jetzt schon mal kurz zu erklären.
      Zu erst den Umfang am Körper messen, wo der Bund hin soll (z. Bsp. Taille). Dann mit der Formel für den Kreisumfang den Radius ausrechnen: u/(2*π) = r. Damit kann man sich ein Schnittmuster erstellen.
      Dieser Kreis wird ausgeschnitten und für die gewünschte Länge des Rockes einfach die Länge zu dem ersten Radius addieren. Das ergibt dann das tatsächliche Schnittmuster. Weil ich ja Kellerfalten haben wollte, habe ich vielleicht 20 cm beim Taillenumfang draufgeschlagen.
      Mit Abbildungen wäre das vielleicht verständlicher...

      Am Donnerstag zeige ich ein Schößchen-Oberteil, dass einen Mini-Tellerrock hat, der allerdings vorne kürzer als hinten ist. Trotzdem kann man sich da sicherlich reindenken...

      Der Gürtel ist aus dem gleichen Stoff wie die Ärmelchen: Ein glänzender Jersey. Einfach einen langen, schmalen Schlauch genäht und mit Knopf gesichert.

      :)
      Liebe Grüße
      Marie

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    2. Liebe Marie,
      och, vielen Dank für deine ausführliche Erklärung. Das wird glaube ich mein nächstes Projekt, echt klasse! Bin ganz verliebt in dein Kleid. Ich liebe auch besonders die Farbe Blau. Jetzt habe ich noch eine Frage. Welchen Stoff hast du für den blauen Teil deines Kleides verwendet? Normaler Baumwollstoff, oder ein Mischgewebe?
      Mein Lieblingsteil ist übrigens eine Schluppenbluse. Hast du die auf meinem Blog schon gesehen? Ich hab mir die schon in vielen Ausfürhungen genäht. Vielleicht wär die auch was für dich...?
      Nochmal vielen lieben Dank!
      Liebe Gruesse
      Stefanie

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    3. Liebe Stefanie,
      Der Stoff ist ein Baumwoll-Satin gewesen... War minimal stretchig...

      Den Schnitt hatte ich in sofern geändert, dass ich nur die Abnäher von der Taille nach oben gemacht habe. Die seitlichen Abnäher habe ich weggelassen. Wenn du magst, kann ich gerne versuchen eine Anleitung zu schreiben...
      Gibt es einen bestimmten Anlass, zu dem du das Kleid bräuchtest?

      Deine Schluppenbluse habe ich gesehen :) hatte mich ein bisschen gewundert, dass du so etwas kompliziertes genäht hast, ohne einen Tellerrock zu kennen ;)

      Liebe Grüße,
      Marie

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  2. Liebe Marie,
    glaub mir, eine Schluppenbluse zu nähen ist ganz und gar nicht schwer. Wenn ich das hier so ansehe, kriegst du das im Schlaf hin ;-)
    Es gibt keinen Anlass, ich mach einen Nähkurs und wollte etwas nicht all zu einfaches nähen. Mit einfachen ebooks kann ich mich zu Hause alleine rumschlagen :-D Hab bei burda gestöbert, bin alte Zeitschriften durchgegangen und hab dann durch Zufall dein Kleid entdeckt. In der engeren Wahl stand dann noch ein Etuikleid, glaub aus 9/2009 im klassischen Chanelstil. Allerdings mit Dreiviertel-Arm....

    Der Blauton ist auch klasse. Mal sehen, was ich im Stoffladen finde...

    Von dem her brauchst du denke ich keine Anleitung für mich schreiben.... Trotzdem vielen, vielen Dank!

    Liebe Gruesse
    Stefanie

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    1. Ok ;) vielleicht gehen mir ja irgendwann die Projekte/ Ideen aus, sodass ich im Juni auf das Kleid zurückgreife...

      Viel Erfolg beim Nähen ;)

      Liebe Grüße,
      Marie

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Am "Frag Mich Freitag" beantworte ich auch theoretische Fragen zur Schnittgestaltung oder Problemen.